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Halle rollt!

Foto: congrav new sports e. V.

Foto: congrav new sports e. V.

[mis] Fährt man die Magistrale entlang, ist er inmitten des Zentrums von Halle-Neustadt und gegenüber dem Frauenbrunnen gelegen nur schwer zu übersehen: der Skatepark Neustadt. Egal ob auf dem Board, auf Inline-Skates oder auf dem BMX-Rad – insgesamt stehen 1.400 Quadratmeter zur Verfügung, um zu trainieren, neue Leute kennenzulernen, sich Tricks abzuschauen oder einfach zu fachsimpeln. Mit seiner exponierten Lage steht der Park exemplarisch für den Umbau der ehemals eigenständigen und kreisfreien Stadt Neustadt in der Nachwendezeit. Aber auch seine Entstehungsgeschichte ist bemerkenswert: In gemeinsamen Workshops mit Fachplanern und Baufirmen konnten die aktiven und auch die zukünftigen Nutzer ihre Wünsche äußern und die Planungen maßgeblich mitgestalten. Durch die „Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010“ konnte das Projekt 2009 realisiert und der Dialog rund um die Anlage in der Folge aufrechterhalten werden.

„Anfangs gab es natürlich seitens der Bevölkerung Vorbehalte, was das Projekt anbelangte. Diese haben sich aber vollständig zerstreut, sodass die Anlage breite Akzeptanz findet“, sagt Christian Andrae vom „congrav new sports e. V.“. Auch im Anschluss blieb die enge Zusammenarbeit zwischen Verein und Stadt bestehen. Neben mehreren kleineren Sponsoren wird der Skatepark hauptsächlich von der Gesellschaft für Wohn- und Gewerbeimmobilien GWG unterstützt. Zum zehnjährigen Bestehen soll 2019 nach längerer Zeit wieder ein Event stattfinden, mit dem man nicht nur regionale Sportler anziehen möchte. Man findet über die ganze Stadt verteilt Skateparks verschiedener Größe – im Stadtpark, am Galgenberg oder auch auf der Silberhöhe. Doch der Verein legt derzeit seinen Fokus auf Halle-Neustadt, da der dortige Park aufgrund seiner Größe, aber auch durch seine gute Erreichbarkeit für die halleschen Skater und BMXer ein wichtiger Anziehungspunkt ist. Der Park soll etwas modernisiert werden, da die Halbwertszeit solcher Anlagen relativ gering ist.
Die Geschichte des Skateboardens mutet kurios an, da es seinen Ursprung im Wasser hat: In den 1950er Jahren wurden in den USA erste Versuche unternommen, das Wellenreiten auf den Asphalt zu übertragen und ein angepasstes Gerät mit vier Rollen zu entwickeln. Einen technischen Aufschwung erlebte der Sport in den 70ern, da fortan Rollen aus Polyurethan verwendet wurden: Einerseits wurde die Bodenhaftung verbessert, andererseits ließen sich nun höhere Geschwindigkeiten erzielen. Parallel dazu entstanden mehr und mehr Skateparks, in denen sich die vornehmlich jugendlichen Skater austoben konnten. Ende der 70er schwappte der Trend nach Europa über – und somit auch nach Deutschland. Das BMXen hingegen entstand in den 1960er Jahren und ist mittlerweile olympisch. Skaten wird dagegen erstmals 2020 in Tokio im olympischen Programm vertreten sein. Dieser Umstand unterstreicht, dass sich diese Disziplin von einer Jugendkultur zu einer weltweit anerkannten Sportart entwickelt hat.

Der Verein congrav existiert in seiner jetzigen Form seit 2001 und bietet verschiedene Workshops rund um Themen wie Skateboarden und BMX an. Jede Woche findet jeweils an einem anderen halleschen Skatepark eine kostenlose Session für Anfänger und Unsichere an. Die alternierenden Orte sollen den Teilnehmern die Möglichkeit geben, neue Skateparks kennenzulernen. Im Rahmen der Workshops stellt der Verein Leih-Ausstattungen zur Verfügung. Geleitet werden die Kurse von erfahrenen Boardern oder BMXern, die auch über Kenntnisse in Erster Hilfe verfügen. Ferner kann man sich Tipps das eigene Board oder Bike betreffend einholen. Die Mitglieder von congrav engagieren sich unter dem Motto „Halle rollt!“ auch in Zukunft für die Belange der halleschen Skater und schaffen einen Diskurs mit den Verantwortlichen der Stadt, um die Rahmenbedingungen stetig zu verbessern.

www.halle-rollt.de