 | | Huch, was ist denn jetzt schon wieder passiert? Hauptkommissar Bruno Ehrlicher alias Peter Sodann (rechts) hat allen Grund, sehr überrascht zu gucken: Ende 2007 ist Schluss für ihn in der Krimiserie „Tatort“. | TV-Kommissar Bruno Ehrlicher tritt ab. Ermittlungen vor seinem letzten Fall
Von Antonie Städter
Er heißt nicht umsonst Ehrlicher, der einzige ostdeutsche „Tatort“-Kommissar. Bruno Ehrlicher ist einer, dem die Menschen nicht egal sind – trotz seiner eigenbrötlerischen, manchmal muffligen Art. „Er versucht tatsächlich, ein Ehrlicher zu sein. Das nimmt man ihm ab“, sagt Dr. Ingrid Brück vom Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften der halleschen Martin-Luther-Universität. Bei einem Forschungsprojekt untersuchten die Dozentin und ihre Studenten den Fernsehkrimi in Ost- und Westdeutschland von den 50er Jahren bis 2000.
Bruno Ehrlicher, dargestellt vom halleschen Schauspieler Peter Sodann, passe dabei sehr gut in das Konzept der Krimiserie, die seit 1970 gesendet wird. Der „Tatort“ ist ein Produkt des 68er-Zeitgeistes, betont die Krimiforscherin. Auch bei ihm wurde Wert darauf gelegt, mit kritischem Blick auf soziale Verhältnisse und Hierarchien aufmerksam zu machen. „Das war zunächst etwas absolut Neues im BRD-Fernsehen“, so Brück.
Auch der schlitzohrige Ursachse Bruno Ehrlicher, der seit 1992 ermittelt, gibt sich nicht zufrieden mit Missständen. Mit einer gewissen Skepsis schaut er auf die Welt. Konflikte gehen ihm nah. „Und trotzdem ist er kein Sensibelchen“, sagt Ingrid Brück. Schließlich habe die Figur auch eine sehr direkte, mitunter gar cholerische Art. Ein Krimi-Beamter mit sprödem Charme. „Genau dieses Spannungsfeld macht die Figur so interessant“, so Brück, „Ehrlicher ist eine unverwechselbare Type.“ Und zudem noch ein Kommissar, der seine Fälle ohne atemberaubende Action löst. Seine größten Waffen: Unauffälligkeit und Kombinationsgabe.
Die Figur Ehrlicher steht laut Brück für ostdeutsche Befindlichkeiten und eine ostdeutsche Perspektive. Dass diese einzige ostdeutsche Identifikationsfigur im „Tatort“ nun abtreten muss, sei sehr schade. In der 45. Folge mit dem 70-jährigen Sodann – im kommenden November im Fernsehen – soll dieser abgelöst werden. „Mit ihm fehlt dann eine wichtige Facette, aber vielleicht ist diese mittlerweile auch nicht mehr nötig“, so Brück. Vielleicht identifi zieren sich die Zuschauer heute eben über andere Faktoren als über die Herkunft aus Ost oder West.
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